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Architektur von Schloss Weissenstein

Schloss Weißenstein Marmorsaal

Die Planung des Schlosses wuchs aus kleinen Anfängen heraus und nahm unter der Arbeit erst das endgültige Format an, wie es für die Geschichte vieler Barockbauten typisch ist. Der Kurfürst hatte die Herrschaft Pommersfelden im Jahre 1710 nach Ableben des letzten Truchseß von Pommersfelden für sich persönlich geerbt; im Sommer 1711 reifte der Plan zu einem großen Neubau als Galerieschloss auf der leichten Anhöhe südöstlich des Dorfes, für den noch im Herbst der Grundstein gelegt wurde und der nach nur siebenjähriger Bauzeit schon 1718 vollendet stand.

 

Des Kurfürsten Bamberger Hofarchitekt Johann Dienzenhofer, Erbauer des Fuldaer Doms und der Banzer Klosterkirche, hatte die Pläne des neuen Schlossprojektes geschaffen; er ist der Gestalter der Außenarchitektur und der Säle. Ihm zur Seite war als erfahrener Bauleiter Pater Loyson 5. J. Durch den Wiener Neffen des Bauherrn, den Reichsvizekanzler Schönborn, wurde dessen Architekt, der kaiserliche Baumeister Joh. Lucas von Hildebrandt, auch mit in die Planungen von Pommersfelden eingeführt; ihm wird die Gestaltung des Treppenhauses mit seinen Arkaden verdankt, dessen Raumidee freilich der Kurfürst selbst »erfunden« hatte. Schließlich wurde noch der Mainzer Hofarchitekt des Kurfürsten, Maximilian von Welsch, herangezogen, der den Entwurf zum Marstallbau beitrug, dem ja eine überaus wichtige Funktion am Gesamtplan zukommt; er wurde auch der Entwurfsverfasser  der großen barocken Gartenanlagen, die nur in den Stichen Salomon Kleiners noch fortleben.

 

Das Schlossgebäude ist im Grundriss eine Anlage zu drei Flügeln, die hufeisenförmig gruppiert sind; die Seitenflügel sind an ihren Enden ebenso wie die Hauptflügel beiderseits durch Eckpavillons betont; dieser birgt in der Mitte den gewaltigen Einschub des weit vorspringenden Mittelbaus mit Treppenhaus und Sälen, wodurch hier ein aufs äußerste bewegtes, festliches Bild barocker Architektur entsteht, während die lang gestreckte Gartenfront mit den flachen vorspringenden Risaliten eher ein Bild ruhiger Feierlichkeit bietet.

 

Der niedrige Marstallbau mit seiner effektvollen Attika greift an seinen Enden die Akzente der Schlossarchitektur auf, wobei der in voller Länge kräftig zurückweichende Mittelteil mit dem wieder leicht vorspringenden Portalbau aufs glücklichste das Vordringen des gegenüberliegenden Treppenhausgebäudes in den Ehrenhof auffängt und beantwortet.

 

Hier, im Sockelgeschoß des mit festlichen Doppelsäulen geschmückten Mittelbaus, betritt der Besucher das Schloss und erlebt mit dem ersten Schritt sofort, überrascht und überwältigt, die ganze Fülle des riesigen Raumes mit seinen zweigeschossigen Umgängen über der in zwei gebrochenen Läufen aufsteigenden Treppe zum Hauptgeschoß; im Hinaufgehen bietet sich dann als zweites Erlebnis dieses vom Kurfürsten ersonnenen und von Hildebrandt gestalteten Treppensaales das Auskosten der immer wechselnden perspektivischen Effekte und Durchblicke. Über 8000 Kubikmeter Rauminhalt sind für diesen eigentlichen Hauptraum des Schlosses aufgewendet, dessen ganzer Charme sich besonders dann entfaltet, wenn Stiegenläufe und Umgänge - wie heute noch bei den jährlichen großen Konzerten - von festlich gestimmten Menschen belebt sind. In einem solchen Stiegenhaus wurde jeder Empfang zur Staatsaktion und sein Zweck lag weit jenseits der ursprünglichen Zweckbefriedigung, nur die Höhendifferenz zu überwinden. Auch das große Deckenfresko von Rudolf Byss mit seinem offenen Himmel, in dem nach des Künstlers Worten Apoll als Sonnengott den vier Erdteilen so das Licht spendet, wie die Tugend den Menschen erhellt und ziert - es lädt zum Betrachten, zum Verweilen und Rundgang ein.

 

Vor dem Eingang zum großen Festsaal, dem sogenannten Marmorsaal, ist mit äußerstem Geschick ein eleganter kleiner Vorsaal mit offener Decke und Durchblick auf ein Fresko aus dem erweiterten Umgang entwickelt, während zwei Statuen der Juno und Urania von Burkard Zammels den Eingang zum Saal flankieren, über dessen Türe die Portraitbüste des Bauherrn sich findet, einbezogen in das allegorische Ensemble dieser Dekoration.

 

Der Marmorsaal ist der Endpunkt, der große Schlussakkord nach dem Durchschreiten der drei Erlebnisräume des Ehrenhofs, des Treppenhauses und des Vorsaales: die monumentale Säulenarchitektur von riesigen Dimensionen mit den gewaltsam gebogenen Gesimskurven und darüber das bis ins Dach hinein gestoßene Gewölbe schaffen die Atmosphäre für pompöse Staatsaktionen, Feste und Musik; darüber strahlt Rottmayers farbenreiches Fresko der Aurora, welche die Mächte der Finsternis vertreibt, eingebettet in die für den Stil dieser Jahre, das sogenannte "Bandelwerk", meisterlich gelungene und typische Stuckdecke Daniel Schenks.

 

Unter dem Marmorsaal liegt der kühn gewölbte, völlig als Grotte dekorierte Gartensaal, dessen frische Kühle zur Sommerzeit willkommen war; hier hat sich Georg Hennickes Kunst als Grottierer recht originell bewährt.

 

Nördlich des Festsaals liegt das Appartement des Kurfürsten mit Audienzzimmer, Tafelzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer und dazu als Glanzstück das Spiegelkabinett des Meisters Ferdinand Plitzner, mit seiner kostbaren Täfelung und dem überreich eingelegten Fußboden einer der bedeutendsten Räume dieser Art. Auf besonderen Wunsch des Bauherrn lag hier auch die große Galerie. Südlich des Saales liegen die Gästeappartements. Beide Fluchten wurden mit besonderer Sorgfalt ausgestattet:

 

Stuckdecken, eingelegte Fußböden, Marmorkamine und kostbare Tapeten sowie prunkvolle Möbel wurden von den Künstlern nach genauen Angaben gefertigt; die Prunkschreibschränke von Servatius Prickard nehmen dabei die erste Stelle ein. Schließlich gab es nun im ganzen östlichen Hauptblock Platz genug für des Kurfürsten große Gemäldesammlung, die dort heute noch - wie das Schloss selbst - nach über 250 Jahren als Denkmal ihres kurfürstlichen Schöpfers bewundert werden kann.

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